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Wie man in Zukunft reich wird und was disruptive Innovation bedeutet.

Christoph Keese beschreibt in seinem neuen Buch mit dem langen Titel Silicon Valley: Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt was desruptive Innovation ist und warum in Zukunft vor allem die Plattformen Geld verdienen werden.

Der Herr Keese kommt aus der Medienbranche, aus der Print-Branche um genau zu sein und wie wir alle wissen, leidet diese Branche ziemlich unter dem digitalen Wandel. Also ging er 2013 für ein halbes Jahr in Feindesland, ins Silicon Valley, wo fünf der sechs erfolgreichsten Internet-Firmen ihren Sitz haben und jährlich 15 Milliarden Dollar Risikokapital (20 Mal mehr als in Deutschland) in neue Internet-Firmen investiert wird.

Was er zurück nach Hause gebracht hat, hat es in sich. Ich kann Ihnen deshalb nur empfehlen hier das ganze Interview anzuhören, denn was er berichtet hat wirklich Substanz und kann darüber entscheiden ob und wie gut Sie in Zukunft in Ihrer Branche überleben werden. Kein Witz. Ausser Sie sind Koch oder Handwerker, aber selbst dann wird es für Sie in Zukunft weniger zu verdienen geben, weil in Zukunft Plattformen mitverdienen werden.

Nehmen Sie sich 28 Minuten Ihrer wertvollen Zeit dieses Interview zu hören, es kann sich durchaus lohnen.

 

 

Für Alle die nicht so viel Zeit haben oder die lieber lesen habe ich hier die aus meiner Sicht wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

Die Leute im Silicon Valley, welche die ganzen virtuellen Kommunikationsformen entwickeln, agieren selbst ausgesprochen analog und pflegen einen Kult der Nähe.

Das Silicon Valley lebt davon, dass ein ungeheuer intensiver Austausch zwischen Ingenieuren, Unternehmern stattfindet, auch wenn sie miteinander in Konkurrenz stehen. Es ist völlig normal, dass man innerhalb der ersten 5 Minuten Fragen stellt, die man in Europa aus Höflichkeit nicht fragt, z.B. Wie viel Geld verdienen Sie? Wie viel Geld hat Ihre Firma noch auf dem Konto? Wann geht Ihrer Firma das Geld aus? Wie viel bezahlen Sie Ihren wichtigsten Leuten? An welchen Produkten arbeiten Sie gerade? Diese Offenheit fehlt uns in Europa.

Im Silicon Valley fürchtet man das sein Produkt, an dem Tag an dem es auf den Markt kommt, veraltet sein könnte, oder irgendeinen schweren gedanklichen Konstruktionsfehler enthält. Deswegen redet man, vor allem mit Leuten nicht aus der eigenen Firma, holt deren Meinung ein, macht sich besser damit und erhöht damit die Qualität seiner Produkte. In Europa dagegen hat man Angst, dass man sich bestehlen könnte und spricht deshalb nicht offen über seine Projekte.

Europa bezahlt einen Preis für das fehlende Investitionskapital, denn die Erneuerung der Wirtschaft, vor allem der Digitalwirtschaft fällt aus. Uns fehlen die dadurch erzeugten Arbeitsplätze und der dadurch erzeugte Wohlstand. Abgesagt wegen Kapitalmangels. Und die die etwas draufhaben, kaufen Sich ein Flugticket und machen Ihr Projekt im Silicon Valley, das ist ein Problem für unsere Volkswirtschaft.

Monopolisten wie Google gebären sich wie souveräne Staaten, haben eine eigene Auffassung von Datenschutz, Urheberrecht und Fairness des Handels. Die Folgen davon sind Monopolmissbrauch. Dieser Missbrauch ist strukturell angelehnt im Internet. Warum? Weil das Internet – wie der Name schon sagt – ein Netzwerk ist. Und in Netzwerken gilt eine ganz besondere Form des Wirtschaftens, denn der so genannte Netzwerkeffekt findet statt. Dieser ist seit über 100 Jahren bekannt und auch wissenschaftlich beschrieben. Dieser besagt, dass jeder zusätzliche Nutzer, der einem Netzwerk beitritt den Nutzen aller bisherigen Mitglieder erhöht, und es deshalb unattraktiver wird für die bestehenden Nutzer das Netzwerk zu verlassen. Oder einfach gesagt, wir sind auf Facebook weil alle unsere Freunde auch da sind, auch wenn es vielleicht Alternativen gäbe, aber da wären wir alleine. Grösser ist also besser.

6 Wochen ist die normale Zeit zwischen der Idee eines Produkts, und dem fertigen Produkt auf dem Markt. 6 Wochen. Fragt jemand in diesem Geschwindigkeitsrausch danach was die Folgen sind? Nein, zu wenig. Das Schlagwort ist hier „disruptiv“, man nimmt also bewusst in Kauf, dass bestehende Strukturen zerstört werden. Man will sie durch etwas ganz neues ersetzen. Da lebt der alte Hippie Geist der 60er Jahre aus San Francisco wieder auf. Diese Pionier und Goldgräber-Mentalität. Sie wollen zerstören, aber nicht des Zerstörens willen, sondern weil sie das bessere an die Stelle des alten setzen möchten. Aber sie stellen sich zu selten die Frage was sie damit kulturell und sozial bewirken.

Disruptive Innovation und die Lehren für Europa. Bei der disruptiven Innovation geht es darum Schwachstellen im Produkt oder Geschäftsmodell des Konkurrenten aufzuspüren und dann gezielt anzugreifen. Man kann dieses Konzept auch auf die eigenen Produkte anwenden um damit wettbewerbsfähig zu bleiben und Gegenstrategien zu entwickeln.

In Europa fehlt es an der Fähigkeit zur radikaler Selbstkritik und der Bereitschaft sein Geschäft einmal vollständig zu kanibalisieren. Eine Anekdote: Eines Tages hat sich der grösste europäische Stahlhändler  gemeldet, als er davon erfahren hat, dass ich im Silicon Valley weile.  Er sagte „das was für die Medien gilt, das sie durch digitale Desruption vollständig verwandelt werden, gilt auch für den Stahlhandel. Darf ich mal für 3 Tage vorbei kommen und darüber nachdenken wie man mein Geschäftsmodell zerstören kann?” Er kam dann und nach anderthalb Tagen haben wir ein Konzept entwickelt, wie man den Stahlhandel, wie er heute existiert überflüssig machen kann. Ihm ging es natürlich nicht darum, sein Geschäftsmodell zu zerstören, sondern er wollte der Konkurrenz einen Schritt voraus sein. Deshalb hat er dann auch fast alles umgesetzt was wir entwickelt hatten.

Wer reales produziert, gerät in der digitalen Netz-Ökonomie schnell ins Abseits. Plattformen sind das Wirtschaftsmodell der Zukunft. AirBnB. iTunes und der Taxiservice Uber sind die besten Beispiele dafür.  Man muss in Plattformen denken. Die Plattform ist die Schnittstelle, man könnte sogar sagen Isoaltionsstelle zwischen Angebot und Nachfrage. Die Plattform ist der Ort, wo die jeweilig andere Marktseite ihre Information hinterlegt, also der Anbieter weiss nichts mehr über den Nachfrager und umgekehrt, weil zwischen ihm die Plattform steht. Das wirtschaftlich interessante ist, dass die Plattform wenn sie einmal mächtig geworden ist, die Konditionen festsetzt. Sie hat die Macht, weil sie die ganzen Daten und Informationen besitzt.

Geld verdient wird in Zukunft noch auf der Plattform und nirgendwo anders mehr. Denn für jede Nachfrage wird im Hintergrund eine Auktion durchgeführt, so wir das heute von der Google AdWords Werbung her schon kennen. Der Anbieter wird in einem Versteigerungsverfahren für Sie als Konsumenten bezahlen, z.B. damit sein Laden bei ihrem Navi im Auto angezeigt wird.


Nachtrag: Wenn Ihre Firma von disruptiver Innovation betroffen ist, wenden Sie sich lieber heute als morgen an externe Profis, welche Ihnen helfen die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Gerne empfehle ich an dieser Stelle marketing-innovation.ch


 

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